Begleitausschuss bewilligt erste Demokratieprojekte für 2026

Wie Demokratie im Alltag erlebt und gestaltet werden kann, zeigt die Partnerschaft für Demokratie Limbach-Oberfrohna gleich zum Jahresauftakt. In ihrer jüngsten Bündnissitzung berieten die Mitglieder über sechs Projektanträge – darunter eine Bildungsreise des Jugendhauses Rußdorf nach Verdun, ein Mitmachprojekt für Kinder und ein inklusives Bewegungsangebot für Vorschulkinder.

Zwar hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die finanzielle Unterstützung der Partnerschaft bis 2032 zugesagt, der aktuelle Fördermittelbescheid für das laufende Jahr steht aber noch aus. „Damit stehen wir nicht alleine da und während die anderen Partnerschaften für Demokratie in Sachsen noch abwarten und auch noch keine Bündnissitzungen durchgeführt haben, wollten wir endlich starten“, erklärte Katja Hasler zum Start. Die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna koordiniert gemeinsam mit Jenny Benedix vom Kompetenzzentrum für Gemeinwesenarbeit im Erzgebirge die lokale Partnerschaft. Die beiden sind ebenso wie Dietrich Oberschelp, Leiter Fachbereich Zentrale Dienste in der Stadtverwaltung, zuversichtlich, dass der Förderbescheid des Bundesministeriums zeitnah eintrifft. „Die Zusage über die Kofinanzierung des Freistaates haben wir bereits. Sie steht aber unter dem Vorbehalt der Zusage der Bundesmittel“, machte Dietrich Oberschelp deutlich.

Kinder lernen Politik spielerisch

Als Vorsitzender der Bürgerstiftung Limbach-Oberfrohna warb Dietrich Oberschelp auch für das Projekt „L.O. stiftet Wissen“. In den ersten drei Tagen der Sommerferien sollen rund 75 Kinder die Möglichkeit bekommen, Politik selbst zu erleben. Sie wählen Themen, die sie bewegen, bilden Ausschüsse und beraten anschließend – wie im echten Stadtrat – über eigene Anträge. „Kaum ein Kind weiß, was ein Stadtrat eigentlich macht“, sagte Dietrich Oberschelp zur Notwendigkeit des Projektes. Passenderweise findet die Veranstaltung im Hippodrom statt, wo auch die Stadtratssitzungen durchgeführt werden. Zum Abschluss sollen die Ergebnisse Oberbürgermeister Gerd Härtig, interessierten Stadträten und Eltern vorgestellt werden.

„Gemeinsam statt einsam“ verbindet Generationen

Ulrich Meyer, geschäftsführender Ältester der Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in Limbach-Oberfrohna, will gemeinsam mit seinem Team das bereits seit einigen Jahren erfolgreich laufende Veranstaltungsformat „Gemeinsam statt einsam“ um einen weiteren Aspekt erweitern – und warb bei den Bündnismitgliedern um Zustimmung für einen entsprechenden Projektantrag. „Zu Beginn des Jahres wurden wir in das Generationenbotschafterprogramm der Sächsischen Generationenagentur aufgenommen und wollen deshalb unser Projekt jetzt nicht nur für die Älteren, sondern für viele verschiedene Generationen anbieten“, sagte er. Einsamkeit betreffe schließlich nicht nur Senioren, sondern verstärkt auch jüngere Menschen. Neben Spielen und Gesprächen soll es in Zukunft auch Vorträge innerhalb des Angebotes geben. „Ich könnte mir zum Beispiel sehr gut vorstellen, dass Schülerinnen und Schüler unseren älteren Gästen einmal zeigen, was mit einem Tablet heute alles möglich ist“, blickt er in die Zukunft. „Gemeinsam statt einsam“ erreicht bisher regelmäßig 18 bis 24 Personen im Alter von 50 bis 80 Jahren.

Jugendliche auf Spurensuche in Verdun

Ein aktuelles Thema will das Team des Fördervereins für offene Jugendarbeit im Limbacher Land mit der Bildungsreise in den Sommerferien aufgreifen. „Nachdem viele junge Leute im Dezember vergangenen Jahres bundesweit gegen die Wehrpflicht auf die Straße gegangen sind und wir in unserer Arbeit mit vielen Fragen diesbezüglich konfrontiert werden, entstand der Gedanke, unsere traditionelle Bildungsreise für Jugendliche ab 14 Jahren in diesem Jahr nach Verdun zu unternehmen“, sagt Ines Hertrampf vom Jugendhaus AREA 23 Rußdorf. Die alte Bischofs- und Festungsstadt und ihr Umfeld waren 1916 Schauplatz der Schlacht um Verdun, die zu den blutigsten Materialschlachten des Ersten Weltkrieges zählt. „Eine Bildungsreise in die Region Verdun ermöglicht experiential learning: direkte Begegnung mit Gedenkstätten, historisch bedeutsamen Orten und Reflexion über Verantwortung, Freiheit und Pflicht. Die Präsentationen in den Museen und Memorials machen für die Jugendlichen die Schlacht und das damit erfahrene Grauen erfassbar“, sagt Ines Hertrampf. Damit unterstütze die für Anfang August geplante Tour die politische und kulturelle Bildung sowie die stärkere Einbindung der Heranwachsenden, fördere das globale Verantwortungsbewusstsein der Teilnehmenden und verknüpfe geschichtliche Ereignisse mit gegenwärtigen Diskursen zur Wehrpflicht und Friedenspolitik in Deutschland.

Bewegung verbindet – Inklusion von Anfang an

Einen durchaus ernsten Hintergrund hat auch das Projekt der Kita am Wasserturm: „Wir haben im Kindergartenalltag festgestellt, dass die Kinder immer weniger belastbar und ausdauernd sind. Bei vielen Kindern im Vorschulalter schauen wir da mit Sorgen auf die bevorstehende Einschulung. Oftmals erschweren uns auch Sprachbarrieren die Arbeit mit den Kindern. So entstand die Idee zum Projekt ,Sport verbindet: Ein inklusives Bewegungsangebot‘“, sagt Steve Fischer, Leiter der Kita Am Wasserturm der Behindertenhilfe. Einmal in der Woche sind die Mädchen und Jungen dabei im Fitnessclub 21 in der Turmpassage zu einer sportlichen Einheit zu Gast. „Unter professioneller Anleitung wird dabei insbesondere Wert auf die Integration der Migrationskinder in die sportliche Gemeinschaft, das Fördern der sozialen Kompetenz und natürlich Spaß gelegt“, sagt Steve Fischer. Schöner Nebeneffekt: Auf dem Weg von der Kita zum Fitnessclub und wieder zurück gibt es auch immer eine praktische Stunde in Verkehrserziehung.

Weitere Ideen für Limbach-Oberfrohna sind gern gesehen

„Wir sind zuversichtlich, dass der ersehnte Zuwendungsbescheid des Bundeministeriums in Kürze eintrifft. Daher steht auch schon der nächste Einsendeschluss für Projektanträge fest: Bis zum 23. Februar 2026 können noch Anträge eingereicht werden, die in der kommenden Sitzung im März im Gremium besprochen werden“, sagte Jenny Benedix. Zur Antragstellung gehört immer auch eine Beratung durch die Koordinierungs- und Fachstelle. Wer also Interesse hat, am Projekt mitzuwirken oder eigene Ideen einbringen möchte, kann sich sehr gern melden.