Demokratiekonferenz schult Engagierte im Projektmanagement

Bei der jüngsten Demkratiekonferenz im kleinen Saal der Stadthalle standen am 7. Juni zwei Fragen im Mittelpunkt: 1. Wie gestalte ich ein Projekt zielführend? 2. Welche Projekte braucht Limbach-Oberfrohna, um das Thema Demokratie auch in Zukunft mit Leben zu erfüllen? Der Einladung des Netzwerkes des guten Willens waren trotz der sommerlich-heißen Temperaturen immerhin 16 Engagierte aus der ganzen Stadt gefolgt.

Evelin Ogonowski vom „Bunten Bürgerforum für Demokratie“ stellte in ihrem kurzen Impulsvortrag dar, dass sich die Partnerschaft für Demokratie ihrer Einschätzung nach in den vergangenen drei Jahren sehr gut entwickelt habe. Das sei aber kein Grund, jetzt die Hände in den Schoß zu legen. Ganz im Gegenteil: „Demokratie macht Arbeit. Demokratie heißt, sich einbringen. Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch viel mehr Leute erreichen können“, sagte sie.

Evelin Ogonowski hatte auch gleich eine Idee für ein neues Projekt. Sie erzählte von einer Stadt in China, in der es mit dem Zusammenhalt in der Bevölkerung nicht mehr klappte. Also kam die Stadtverwaltung auf die Idee, überall in der Stadt positive Botschaften der chinesischen Philosophie zu plakatieren. „Vielleicht könnte eine solche Aktion dazu beitragen, den Hassbotschaften im Internet wenigstens ein wenig Einhalt zu gebieten und in Limbach-Oberfrohna ingesamt wieder freundlicher miteinander umzugehen“, sagte sie.

Ricardo Glaser, der die Partnerschaft für Demokratie in Limbach-Oberfrohna seit Beginn an als Coach und Moderator unterstützt, nutzte die Gelegenheit, um aus der Idee von Evelin Ogonowski ein Thema zu entwickeln, an dem die Teilnehmer der Demokratiekonferenz anschließend beispielhaft den Projektablauf besprachen. „Das Beispiel zeigt, dass ein bestimmter Anlass zu einem „Da-müsste-man-mal-etwas-tun-Gedanken“ führt. Aus diesem ergibt sich wiederum die Projektidee und dann beginnt die Arbeit“, sagte Ricardo Glaser. Im konkreten Fall könnte die Projektidee sein, eine Kampagne für demokratische Werte und tolerantes Miteinander zu starten.

Steht die Projektidee, geht es weiter mit der Analyse der Ausgangssituation. „An diesem Punkt sollte man sich unter anderem Gedanken darüber machen, welche Zielgruppe man erreichen möchte, welche anderen Beteiligten unbedingt mit dabei sein sollten und wer dem erfolgreichen Projekt eventuell im Wege steht“, so Ricardo Glaser weiter. Ebenfalls nicht vergessen werden dürfe die Analyse der zur Verfügung stehenden Ressourcen. „Bitte engagieren Sie sich nicht bis zur Selbstaufgabe. Wir merken immer wieder bei Ehrenamtlichen, dass sie sich zuviel aufbürden, Lebensqualität einbüßen und dann ausbrennen“, sagte Anja Herold-Beckmann vom Landespräventionsrat während der Demokratiekonferenz. 

Bei der Analyse der Ausgangssituation zeige sich dann, so Ricardo Glaser, wie tragfähig die anfängliche Idee ist und ob sie eventuell verändert, also unter Umständen in kleinere Teilprojekte zerlegt werden müsse, weil die zur Verfügung stehenden Ressourcen etwa im Hinblick auf die Zahl der Mitstreiter zu gering sind.

Nach der Analyse der Ausgangssituation folgt die Festlegung der Handlungsziele und der für deren Erreichung notwendigen Maßnahmen. „In Limbach-Oberfrohna ist es wichtig, dass Sie sich mit ihren Zielen an der Zielpyramide der Partnerschaft für Demokratie und Toleranz orientieren. Denn jedes ihrer Ziele und Projekte soll ja möglichst dazu beitragen, dem in der Zielpyramide definierten Oberziel näher zu kommen“, so Ricardo Glaser weiter. Aber Achtung: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass es dem Einzelnen immer schwerer fällt, sich und andere Menschen zu motivieren, je größer die Ziele sind. Im Sinne einer möglichst hohen Selbstwirksamkeit ist es wichtig, sich kleine Ziele zu setzen und nach deren Erreichen das nächste Ziel anzugehen“, sagte Anja Herold-Beckmann vom Landespräventionsrat. Kai Dietrich, der zweite Coach der Partnerschaft für Demokratie, machte deutlich, dass auf dieser Stufe des Projektes auch die Indikatoren festgelegt werden müssen: „Die Formulierung eines Indikators hilft Ihnen dabei, zu messen, ob Sie ein Ziel erreicht haben.“ Auf das konkrete Projekt bezogen, könnte eine zunehmende Zahl von Limbach-Oberfrohnern, die mit einem Lächeln durch die Stadt gehen, ein Indikator dafür sein, dass man der Erreichung des Ziels ein Stück näher gekommen ist.

Weiter geht es mit der Projekt- und Zeitplanung. „Dabei ist es wichtig, dass man sich erreichbare Meilensteine setzt“, sagte Kai Dietrich. Nach der Organisation geht es in die Umsetzungphase, bei der Mithilfe des Monitorings geschaut werden sollte, ob die gesetzten Meilensteine auch wirklich erreicht worden sind. Hilfreich sei es auch, so Kai Dietrich, an dieser Stelle zu kontrollieren, ob man wirklich auf dem richtigen Weg sei, die gewünschten Ziele zu erreichen. „Wenn man an dieser Stelle merkt, dass das Projekt gescheitert ist, dann ist das nicht schlimm. Wichtig ist aber, dass man aus diesem Scheitern etwas lernt“, so Anja Herold-Beckmann. Egal, ob erfolgreich oder nicht, wichtig ist, dass es nach dem Abschluss des Projektes zu einer Auswertung kommt. Daraus ergibt sich dann die Evaluation.

Nachdem die Teilnehmer den Projektablauf umfassend besprochen hatten, widmeten sie sich in der letzten halben Stunde der Demokratiekonferenz der Frage: Welche Projekte braucht Limbach-Oberfrohna, um Demokratie mit Leben zu erfüllen? Bekanntlich stehen im kommenden Jahr Kommunal-, Landtags- und Europawahlen an. Erste Ideen wurden diskutiert, ebenso die Frage, wie die Projekte, die in den vergangenen drei Jahren erfolgreich aus der Partnerschaft für Demokratie geboren worden sind, in Zukunft verstetigt werden könnten. 

 

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